Flipper – Besuch

In See, Biskaya. Eine große Flpperschule besuchte uns zum Wachwechsel um fünf. Ein wie immer wunderschönes Elebnis. 10 Delphine spielen gleichzeitig unter dem Klüver, ihr gepiepse ist gut zu hören. Wildes Gedrängel vorne.. Eine freundliche Begrüßung, das muß man den Franzosen lassen. Noch 114 Meilen is Camaret. Sea u Bert

Aufgepasst!

In See, Atlantik/Biskaya. Noch 120 Meilen bis Camaret-sur-Mer. Flaute, kein Wind, kein Seegang, nur noch diese angenehme, lange Atlantikdünung. Die gefürchtete Biskaya ist auch dieses Mal friedlich, wie vor zwei Jahren. Großsegel und Besan sind dichtgesetzt zur Stabilisierung und der Motor bringt uns zum Ziel. Wir werden übermütig und machen Heimkehr landfein. Putzen das Ruderhaus, klopfen die Polster aus, bearbeiten Roststellen, pumpen fehlende Luft ins Beiboot. Ich lege schon mal die ‘Arrival’-Checkliste und die französische Gastlandsflagge bereit. Die Sonne scheint, Gymnastik und Badevergnügen an Deck, später auch Mittagsschläfchen und Kaffeetrinken. Der Schiffsverkehr nimmt zu, wir sehen Tanker, Containerschiffe, Fischerboote und Autotransporter. Wir kreuzen die großen Schiffahrtslinien (nein, ich werde Schiffahrt NICHT mit drei F schreiben – sieht doch nicht aus). Auf dem Kartenplotter fünf AIS-Signale um uns herum. Ab jetzt müssen wir besonders wachsam sein. Abendessen: ein großer Blumenkohl (musste dringend weg), dazu Schinken und Butter. Selbst der Koch meinte: na ja. Der Nachtisch war schon besser: Mango und Pfirsich (aus der Dose) mit Schlagsahne. Ein Hochseebrot fürs Frühstück ist auch schon in Arbeit. ___/)___ Kaum Bewölkung, der Halbmond gab ein kurzes Gastspiel und jetzt endlich mal wieder Sterne am Himmelszelt. Kein Windhauch, die Wasseroberfläche ist glattgebügelt, die Sterne spiegeln sich im Wasser. All’s well on board – Marlene

Morgen auf 47°.36N und 6°.35 W

Diese Position werden wir gegen 12.00 erreichen und dort einen Malt Whisky aus Oste-Aquavitgläsern trinken. Den Anlass könnt Ihr immer noch raten und ins Gästebuch schreiben. Auflösung morgen um 12.00 UTC. Sea u Marlene und Bert

Neun Tage auf See.

In See, Biskaya. So friedlich kann die gefürchtete Biskaya sein. Flaute, Windstärke Null. Ich kenne die Biskaya anders, habe hier während meiner Marinezeit einen schweren Sturm erlebt. Für uns eine erholsame Zeit. Neun Tage auf See sind auch ganz schön lang. Ja, wir hatten schon längere Seestrecken, 22 Tage, 15 Tage, aber auch neun Tage sind lang, besonders wenn es so rauh zugeht wie in den letzten Tagen. Noch 160 Meilen (jetzt abends um neun) bis Camaret. Wir freuen uns drauf, etwas Urlaub in der Bretagne zu machen. Sea u Bert

2182 Kilohertz.

In See. Eine Frequenz, die etwas aus der Mode ist, dennoch kennt sie jeder erwachsene Seemann. Die Not- und Anruffrequenz auf Grenzwelle, so wie der Kanal 16 auf UKW. In der Zeit von Satphones und Email per SSB Pactor wird die 2182 khz nur von wenigen Schiffen abgehört. Früher selbstverständlich auf der Mitteldistanz. Die Reichweite liegt bei 600 Seemeilen. Wir hören 2182, denn es ist eine der Notrufmöglichkeiten, wenn man wie wir weit draußen ist. Mit der Funkboje EPIRB, die wir natürlich auch haben, kann man nur den Mayday-Fall ausrufen, mit Grenzwelle könnte man auch mit der Küstenfunkstelle reden. Ist ja schließlich ein wesentlicher Unterschied, ob ein Hubschrauber gebraucht wird oder ein Schlepper. Wir empfangen heute auf dieser Frequenz Finisterre Radio, die stündlich eine Suchmeldung nach einer überfälligen deutschen Yacht ausstrahlen, den Namen wollen wir hier nicht nennen. Diese Suchmeldung haben wir inzwischen auch per Navtex empfangen. Wir liegen auf der Strecke und beteiligen uns an der Suche, indem wir die Yacht stündlich über UKW rufen. Die Reichweite bei UKW ist von der Antennenhöhe abhängig und beträgt zwischen 20 und 60 Meilen. Es könnte sein, dass die Yacht ihr Rigg verloren hat und nur noch ein UKW-Handfunkgerät zur Verfügung steht. Und wir werden ab sofort Radarkontakte, die langsam sind oder treiben, anlaufen und gucken. Wir nehmen solche Dinge sehr ernst, so läuft auch das UKW bei uns 24 Stunden und ist auch nicht leise gestellt. Sea u Bert

Very well.

In See, Atlantik. Noch 240 Meilen bis Camaret. Ist das wirklich das gleiche Meer wie in den letzten Tagen? Wir genießen es, sozusagen freihändig zu stehen, etwas hinzustellen, was nicht sofort wieder in die Ecke fliegt. Kein verkrampftes Sitzen, alle Muskeln angespannt. Das tollste: wir essen wieder von Tellern, nicht mehr aus dem Blechnapf. Und die Nespresso-Maschine funktioniert ohne Extrem-Krängung auch wieder! So macht’s Spaß. Ok, wir werden nicht leichtsinnig, eine Hand ist immer bereit zum schnellen Zupacken. Der Schwell ist noch da, aber es kommt uns vor wie ein sanftes Wiegen nach dieser Bolzerei. Getriebe- und Motorölstandsmessungen sind allerdings zuverlässig nicht möglich. Fünfmal messen, Mittelwert bilden, anders geht’s nicht. Wir starten den Wassermacher, füllen das verbrauchte Wasser auf. Nach viereinhalb Stunden sind beide Tanks wieder voll. Neues Hörbuch: Die Siedler von Catan. Noch nicht so spannend, aber kann ja noch werden. Ich lese einen Elbe-Weser-Krimi: ‘Tödliches Tabu’ von Reinhold Friedl. Wer im Cuxland lebt, muss dieses Buch unbedingt lesen. Man erkennt sein Zuhause, seine Nachbarn wieder und muss aufpassen, dass man nicht selber drin vorkommt. Einfach spannend und zum Schmunzeln. ___/)___ Jetzt um 3.30 Uhr reißt die Wolkendecke auf und am Osthorizont kündigt sich unser achter Tag auf See an. Ein gelb-rötlicher Streifen, darüber dunkle Wolken. Mond und Sterne waren auch in dieser Nacht nicht zu sehen. Der Wind (eher Windhauch) dreht acherlicher, der Klüver muss eingerollt und der Bulle am Großsegel dichter gesetzt werden. Schweren Herzens muss ich meinen Skipper wecken (sanftes Kraulen am Fuß) und mein Vorhaben ankündigen. Alleine oder ohne Absprache geht nachts keiner an Deck. Eiserne Regel, aber überlebenswichtig. ___/)___ Allen ein schönes Wochenende, wir gehen segeln (wie Reiner, fair winds und schöne Ferien). All’s very well on board – Marlene

Urlaubstag heute.

In See, friedlicher Atlantik, 300 Meilen to go. Nach der Klopperei mit der See in den letzten Tagen ist es heute richtig friedlich. See etwa 2,5 m, aber lang. Wir segeln mit ebenso friedlichen 4 Kn weiter Richtung Biskaya. Der Wind schläft ein, Marlene muss bald ihre Pferde anspannen. Wir haben die Deckdusche mit 18 Grad Seewasser ebenso genossen (!?) wie das anschließende Frühstück mit Schinken-Käse-Rührei und gestern Abend gebackenem Cranberrybrot. Mittags Tomatenbrot, mit echten Tomaten, so wie früher, als die noch nach Tomate schmeckten. Dann Latte Macchiato mit Schweinsohren und Baiser mit Schlagsahne aus der Sprayflasche. Die hab ich früher immer mit Julia genascht, als sie noch auf meinen Schultern saß beim Brötchenholen. Heute Abend gibt es Roastbeef mit Soße auf dem frischen Brot und dazu Cole Slaw. Kurz: Ein wunderbarer, erholsamer Tag. Übermorgen haben wir einen Grund zum Feiern. Es darf geraten werden. Antworten bitte ins Gästebuch. Also: was feiert Heimkehr mit Crew übermorgen in der Biskaya???? Sea u Bert

Wo sind die Pullover?

In See, grüner Atlantik. Und wenn es regnet, dann trägt er einen grauen Kittel über dem Grün. Aber eine Süßwasserdusche tut dem Schiff gut, wäre für uns auch mal wieder fällig. Also heute beim Segelmanöver Regenjacken. Wenn das so weiter geht mit dem Wetter, müssen wir die warmen Pullover suchen. Die sind tief vergraben. Ansonsten bin ich mit dem Zollstock unterwegs, um die Wellenberge zu messen. Die versprochenen Wellenhöhen von 2,70 m kann ich nirgends finden, sind immer noch ziemliche Brocken. Na, vielleicht 30 cm niedriger als heute Morgen. Der Wind spielt mit uns Katz und Maus. Mal ist er links von uns, mal rechts. Mal pustet er mit 18 Knoten, dann haucht er mit 7. Ziemlich launisch, typisch männlich (DER Wind). Wie DER Atlantik, oder heißt es DIE See? ___/)___ Gegessen haben wir den Rest vom Hühnerreis und später den schön durchgezogenen Weißkohlsalat. Sehr lecker. Unser Azorenbrot ist fast alle und Bert eröffnet die Hochsee-Bäckerei. Es duftet im ganzen Schiff nach frischem Brot. Freu ich mich aufs Frühstück! Die Angelei haben wir wegen des Seegangs aufgegeben. Zu wenig Hände, um einen Fisch zu filetieren und zu viel Schiss, dass die Angelleine in die Schraube gerät. Wir haben noch Heringsfilet in Tomatensoße. Eine Dose aufmachen ist bequemer und sicherer. ___/)___ Die Nachtwache ist bisher ohne besondere Vorkommnisse. Bert hatte vorhin eine Frachterbegegnung, auf dem Radar und mit dem AIS-System (AIS = Automatic Identification System oder: Auch Ich Sehe, oder; Alles In Siht) auf dem Kartenplotter prima zu erkennen. Ich hab auf dem Radar nur Regen, den kann man auch toll erkennen. Der Seegang wird erträglicher, endlich. Das haben wir uns verdient. All’s wieder well on board – Marlene

Neue Mode.

In See, 420 Meilen bis Camaret. Seit gestern tragen wir lange Hosen! Mit einer Ausnahme auf den Azoren haben wir seit USA nur Shorts getragen. Plötzlich ist das Wasser nur noch 17°. Da lockt das morgendliche Salzwasserduschen an Deck nicht mehr so. Zum Glück ging es gestern und heute wegen des Seegangs sowieso nicht. Die neue Modefarbe: Hochseegrün! Wie von Dirk schon angekündigt, ist das große Blau nun grün geworden. Wahrscheinlich ist der Ozean seekrank. Der Wind hat stark abgeflaut, der Seegang ist aber noch da. Da der wenige Wind jetzt von achtern kommt, helfen uns die Segel auch nicht gegen die elende Schaukelei. Wir brauchen immer noch alle vier Hände, um uns bewegen. Zwei Schiffe haben wir heute gesehen, einen Frachter und einen Fischdampfer. Da müssen wir jetzt nachts tüchtig aufpassen. Sea u Bert

Medium well.

Also, das finde ich jetzt nicht mehr so lustig hier. Die Wellen sind für meinen Geschmack zu hoch, das muss doch nicht sein. Werde gleich mal mein Bügeleisen suchen und versuchen sie zu plätten. Wir machen nur das Nötigste, weil man eigentlich vier Hände bräuchte, zwei zum Festhalten und zwei, um etwas zu erledigen. Unser täglicher Ausflug aufs Vorschiff fällt heute wegen Schlechtwetter leider aus. So sitzen wir gemütlich eingekuschelt auf der breiten Ruderhausrückbank, naschen Kekse, trinken Tee, lesen (Bert: Die Tochter des Leuchtturmmeisters, ich: Auf der Route der Albatrosse von Heide Wilts) oder lassen uns was vorlesen, hören “Illuminati” von Dan Brown, ein spannendes Hörbuch. Bloß nicht rausgucken, und wenn, dann nach Lee, da sind die Wellen nicht so hoch. ___/)___ Nachtwache, 02.30 Uhr. Es pfeift ganz ordentlich im Rigg, Böen bis 27 Knoten. Schwarze Nacht, kein Mond, keine Sterne. Das phosphor… (ihr wisst schon, wie man das schreibt) Plankton beleuchtet die Szene und sitzt auf jeder Welle. Die brechenden Schaumkämme leuchten überall auf dem Meer. Sieht toll aus. Wenn’s bloß nicht so schaukeln würde! Wie schon gesagt: All’s medium-well on board – Marlene