Indian Summer auf Helgoland

Die haben tatsächlich den ganzen Felsen auf Herbst umgepinselt. Der Felsen rostbraun, wie die Wälder in Maine. Eigentlich wollten wir Freitagabend schon aus Glückstadt auslaufen, leider waren zwei dagegen: Der Ostwind, der zu wenig Wasser brachte, verbündete sich mit dem Logistikkongress in Berlin, der mich total platt gemacht hatte. Ne Erkältung hab ich von einem meiner netten Gesprächspartner(innen) auch mitgebracht (Anita?). Also konnten wir erst um 21.00 durch die Schleuse, und sind dann gleich hinter der Rhinplate bei Glückstadt vor Anker. Ich hatte überhaupt keine Lust, die Nacht durch nach Helgoland zu schippern, wie wir es sonst immer so machen. Nun ging es also am Samstag um 07.00 Anker auf und in einen wunderschönen fast winterlichen Morgen hinein. Kein Wind, also Diesel. Alles sehr erholsam mit extrem guter Sicht. Helgoland war schon kurz hinter dem Vogelsand zu sehen. An der Wetterwarte später mit 70 km Sicht präzisiert. Diesel war unser erstes Ziel. Wir brauchen im Winter volle Bunker (Tanks), die haben wir an Deutschlands einziger Hochseetankstelle gefüllt. Das Schiff ist kein Säufer, hat aber wie der Alte einen dicken Bauch. Da geht was rein. Heute waren es 1690 Liter. Das ist die Menge, die wir seit dem Frühjahr verbraucht haben. Ungefähr 3000 l passen insgesamt rein. Für die knapp 1700 l braucht die Tanksäule ‘ne ganze Stunde. Der Mann im Shop musste Überstunden machen. Sorry. Außer Bäcker Meier mit den weltbesten Brötchen gibts hier noch Manfred Engel mit dem ebensoguten Rinderfilet. Von einem wesentlichen Teil der lästigen Steuern befreit, kostet es hier ca 18 Euro das Kilo und kommt frisch bei Idealtemperatur aus Brasilien. Butterzart! Als Steaks mit Salat lecker. Ein Kilo hab ich wieder eingekocht. Mit neuen Tips aus berufenem Munde ausgestattet. In Berlin haben wir den Sternekoch Kammeier in seinem Restaurant Hugos getroffen, der hat uns, weil Leni Geburtstag hatte, das beste Essen unseres Lebens gekocht. Ein Pfundskerl mit Michelin-Stern, und doch völlig ohne Starallüren. Morgen Nachmittag geht es erstmal nach Cux und übermorgen dann sehr früh weiter nach Glückstadt. Schade, Helgoland ist toll um diese Jahreszeit mit norddeutsch-Sommertemperaturen von 12 Grad. sea u Bert

Lightshow Flaute trotz Drohung

Brunsbüttel – Glückstadt/Elbe

Das nach dem Einkauf in Rendsburg vermutete Lecker fiel oberlecker aus. Das vor ca. 4 Monaten eingekochte Rinderfilet an Gemüse im Basmati-Reisrand.
Auf dem NOK ist viel Schiffsverkehr. Selten so viele Containerschiffe, Tanker und Bulker gesehen. Machen im Hafen von Brunsbüttel fest, Logenplatz direkt neben der Schleuseneinfahrt. Die großen Pötte fahren keine 10 m neben uns in die Schleusenkammer. Mit Brunsbüttel verbinde ich sofort das leckere Eis vom Italiener Dolomiti. Ein MUSS!
Zum Frühstück (um 10.30 Uhr) heute frische Brötchen und Besuch von Jan-Olafs Eltern. Auch sie haben uns die ganzen Jahre während der Bauzeit am Schiff begleitet, immer wieder Mut zugesprochen, Kuchen gebracht und uns bei Laune gehalten. Später kommt dann Fred auf einen Tee vorbei und wir schnacken über Schiffe und die tosende See und was sonst noch so los ist.
Dann Leinen los und ab in die Schleuse, haben keine Eile. In Glückstadt ist das Elb-Hochwasser erst um ca. 20.00 Uhr und zwei Stunden vorher = also ca. 18.00 Uhr werden dort die Schleusen geöffnet. Der Elbstrom schiebt tüchtig und wir fahren nur mit halber Kraft, den Rest erledigt das auflaufende Wasser. Es ist Hochsommerwetter, macht uns den Abschied von der Segelsaison schwer. Aber einmal wollen wir ja noch nach Helgoland. Im Winter soll das Schiff aus dem Wasser, soll hübsch gemacht werden, und der Schaden von unserer norwegischen Grundberührung repariert werden. Da wir die Beule nur tauchend gesehen haben, sind wir sehr gespannt, ob das eine grosse oder kleine Sache wird. Glückstadt ist eine niedliche Kleinstadt, mit Cafes und Bäckern, und nartürlich Matjes. Gegründet von Christian dem IV., der auch Oslo und Christiansand gebaut hat. Fleißiger Däne oder? Was uns besonders mit Glückstadt verbindet ist die Yachtwerft. Hier haben wir sechs Jahre lang Heimkehr umgebaut. Und auch vorher lagen wir mit der alten Heimkehr VI viele Winter hier. Welch Glückes Geschick – wir sind in Glückstadt. sea u Marlene & Bert

Kanal

Durch den Als-Sund sind wir vorsichtshalber noch motort. Stürmische Böen legen die Segler auf die Seite und es ist teilweise eng. Kurz vor der Durchfahrt durch die Sonderborg-Brücke machte uns der nette Schleusenwärter die Klappbrücke vor der Nase zu – ok 30 Minuten üben wir beidrehen. Dann endlich wieder freies Wasser, wir setzen Klüver, Fock, Groß mit einem Reff und den Besan. Wind 15 – 17 Knoten = 4 – 5 Beaufort. Am Horizont sieht’s nach biestigen Böen aus. Heimkehr segelt schneller als wir mit normaler Marschfahrt motoren würden. Macht echt Spaß. Wir nehmen erst kurz vorm Leuchtturm Friedrichsort die Segel weg. Auf dem Radar viele Kontakte, jetzt ist konzentrieren auf Schiffe und Tonnen angesagt. Nach 20.00 Uhr werden wir nicht mehr in den Nord-Ostsee-Kanal geschleust. So gehen wir längsseits an einem alten Kutter aus dem Osten und spazieren auf der Pier an den großen Zwei- und Dreimastern entlang. Wir nennen sie ‘Willem’, weil sie fast alle aus Holland kommen und einer den Namen Willem riesig aufgemalt hatte. Schön, dass die Holländer die alten Schiffe erhalten.
Mein Skipper entscheidet frühes Aufstehen, Brötchen holen und los. Aber zufällig zeigt das Schleusensignal ‘weiß’, d.h. Einlaufen für Sportboote wird vorbereitet. Also keine Brötchen, Leinen los und schon geht auch schon das Schleusentor auf. Sind mit 6 Yachten in der Schleuse, viel Platz für alle. Zum Bezahlen der Kanalgebühren muss man (bzw. frau) die Leiter an der Schleusenwand hochklettern und den Herschern über den NOK seine Aufwartung machen. Unaufgefordert sollen Schiffslänge und Strecke genannt werden. Jawoll … ich nenne auch noch den Schiffsnamen, hoffentlich gibt’s jetzt keinen Ärger. 35,– € für 15 m Schiffslänge (stimmt das?)und 98,637 km Kanalpassage. Ganz schön flott. Aber die Kieler Kanalbeamten sind ganz nett, während man den Brunsbüttelern deutlich anmerkt, dass sie keine Segler mögen.
Im Kielkanal, wie die Seeleute den Nord-Ostsee-Kanal nennen, ist viel los. Große Pötte überholen, kommen entgegen. Und zwischendrin die kleinen Yachten, Schwäne und Enten. Wir frühstücken unterwegs mit Aufback-Baguette. Na ja.
In Rendsburg machen wir einen Shopping-Stop. Lidl, Aldi, Famila sind keine 100 m entfernt und der Skipper-Smut kann seine Gemüsevorräte ergänzen. Der Einkauf lässt Leckeres vermuten.
sea u Marlene