Bei der Landspitze Selsey Bill brodelt die See, es wird flach und wir müssen zwei dicke Tonnen passieren. Wir mögen diese dicken Tonnen, sind schon von weitem prima zu sehen.
In der Einfahrt in den Solent und in den Portsmouth Harbour ist viel Verkehr. Große Kreuzfahrer, Fähren, Luftkissenboote, Frachter, Motorboote, Segler … ganz schön busy hier. Die Lotsen haben es immer eilig.
Vorbei am Horse Sand Fort und dem Sebastopol Kriegsdenkmal.
Der Spinnaker Tower weist den Weg nach Portsmouth Harbour. Das Luftkissenboot braucht keinen Hafen, ein Stückchen Beach reicht.
Unser Liegeplatz in der Haslar Marina in Gosport, gegenüber von Portsmouth.
aber Schiffe sind ja nicht dafür gemacht, im Hafen rumzuliegen.
Lange Strände, allerdings nicht sandig, sondern mit Kieselsteinen.
Der Skipper will hier nur sitzen und aufs Meer gucken. Die Crew sammelt Müll vom Strand.
Sundowner.
Schwanenfamilie zu Besuch.
Weiter geht’s – dieses Mal werden wir durch die kleine Schleuse geschleust. Die Einfahrt ist 5,40 m breit, Heimkehr 4,30 m. Passt!
Strom gegen Wind – lässt sich gerade nicht verhindern. Der mitlaufende Strom nach Westen streitet sich mit dem Wind, der aus Westen kommt. Und schon gibt es die schönsten Wellen, das nervt ziemlich. Also Augen zu und durch. Allerdings guckt der Skipper ab und zu durchs Fernglas, um die Tonnen von Selsey Bill zu finden. Gut so.
Deswegen wollte ich so gerne nach Shoreham. Denn hier habe ich vor vielen Jahren meine erste Reise bei der Royal Navy angetreten. Es gab damals einen Austausch von Offizieren zwischen unserer und der englischen Marine. Der Minensucher HMS Lewiston war mein erstes Schiff. 1951 gebaut aus Holz und mit 2 x 3000 PS motorisiert. Dazu noch 2 x 200 PS Aktivruder. Die erste Reise ging nach St. Peters Port auf Guernsey. Später bin ich versetzt worden nach Schottland und dort auf 2 weiteren Schiffen gefahren. War ein spannendes Erlebnis. Das Bild hat der Marinemaler Klaus Roskamp für mich gemalt.
Wir sind zu früh für die Einfahrt und Schleuse in Shoreham. Also tüddeln wir ca. 1,5 Stunden draußen vor der Hafeneinfahrt rum. Ziemlich blöde Welle, weil Strom gegen Wind. Die genaue Berechnung ist anspruchsvoll. Wasserstand, Wind, Strömung – alles muss passen.
Suchbild: wo ist die Hafeneinfahrt von Shoreham?
Endlich bekommen wir über Funk von Port Control das ok einzulaufen. Er hat jetzt genug Wasser in der Schleuse und wir genug für die Einfahrt in den Hafen. Der Tidenhub beträgt hier ca. 6 m. Wir laufen in die große Schleuse ein, da gibt’s für uns nicht so richtig was zum Festmachen. Also kommt die gute alte Hakenleine zum Einsatz, die wir schon in den Trollhättan Schleusen in Schweden benutzt haben. Ein Fischkutter läuft auch noch ein und dann geht’s nach oben. Immer schön aufpassen und den Haken stufenweise umsetzen. Klappt prima.
Gleich hinter der Schleuse machen wir in der Lady Bee Marina fest.
Prima Platz, haben wir doch alles im Blick, was in die Schleuse geht oder herauskommt.
Wir sind zwischendurch auch fleißig. Heimkehrs Klüberbaum wird geschliffen und dreimal lackiert.
Prima Kneipe gibt es hier auch, keine 100 m von Heimkehr entfernt. Zur Belohnung für Skipper und Crew Nachos.
Wir wollen weiter nach Westen, also Leinen los in der Sovereign Marina und ab in die Schleuse. Das Schleusen geht schnell und wir laufen aus in den Englischen Kanal, vorbei an der Seebrücke Eastbourne.
Leider kommt der Wind ziemlich Südwest. Da wir den Strom genau berechnet haben, haben wir Strom gegen Wind! Das kennen wir ja von der Elbe, Spaß macht das nicht. Dafür ist die Küste mal wieder einmalig schön. Kreidefelsen, immer wieder unterbrochen von sanften Tälern mit kleinen Orten.
Wir passieren Beachy Head mit dem wunderschönen Leuchtturm, der direkt im Wasser steht. Der erste Leuchtturm – Belle Tout Lighthouse – wurde 1831 oben auf der Klippe gebaut. Weil Nebel und tiefe Wolken den Leuchtturm immer versteckt haben, wurde er 1902 außer Betrieb genommen und seit dem weist das Beachy Head Lighthouse den Schiffen den Weg. Er ist 33 m hoch, sein Licht hat eine Reichweite von 16 Seemeilen (oder 30 km), die Kennung ist Fl (2) W 20 Sekunden.
Beachy Head Lighthouse – im Hintergrund oben auf der Klippe Belle Tout Lighthouse.
So ganz nebenbei haben wir den Nullmeridian überquert. Wir sind jetzt nicht mehr auf der östlichen Länge, sondern auf der westlichen. Die blaue Linie im Wasser haben wir gar nicht gesehen und geholpert hat es beim Überqueren auch nicht 🙂
Nach einem erfrischenden Bad, allerdings mit ordentlich Strömung, gehen wir ankerauf. Bei so ruhigem Wetter packen wir die Fahrräder nicht ein, sondern laschen sie an Deck. Faule Bande auf der Heimkehr!
Hier sind bis zu 6 m Tidenhub, deshalb ist vor dem Hafen eine Schleuse, die wir passieren müssen. Über Funk erhalten wir das ok, einzulaufen.
Die Hafenanlage ist ins Land, sozusagen auf die grüne Wiese, gebaut worden und ist umgeben von hübschen Häusern, Restaurants und Supermarkt in der Nähe. Heimkehr sieht etwas exotisch aus zwischen den ganzen feinen weißen Booten.
Wir fahren mit den Rädern in die Stadt, nach Eastbourne. Super Radweg am Strand entlang. Wir essen auf der Seebrücke und genießen bei einem Guinness den Blick auf den Englischen Kanal und die Stadt.
Typisch für englische Seebäder: Riesenrad am Strand und eine Seebrücke
Hier muss mal Hand angelegt werden.
Auf dem Rückweg finden wir eine italienische Eisdiele. Haben wir uns auch verdient, haben wir doch heute den Klüverbaum geschliffen und lackiert.
Dover war echt prima, hat uns gut gefallen. Aber jetzt ist auch gut und wir holen die Erlaubnis ein (alles sehr förmlich und gut organisiert hier), die Marina und den Hafen zu verlassen. Von Dover bis Eastbourne sind es 50 Seemeilen. Da die Tide erst am frühen Nachmittag in Dover dreht, laufen wir entsprechend spät aus, damit wir ordentlich Speed kriegen.
Wir überqueren den Kanaltunnel Dover-Calais. Ist tatsächlich in der elektronischen Seekarte eingetragen. Keine Sorge, wir haben genug Wasser unterm Kiel.
Es ist wenig bis kein Wind und wir motoren nach Westen. Unterwegs pelzen wir mit Seewasser, herrlich. Und es gibt leckere Pfannkuchen.
Dungeness Point mit dem Kernkraftwerk direkt am Beach querab.
Wir kommen spät am Ankerplatz vor Eastbourne an. Um 22.30 Uhr fällt der Anker. Gegessen haben wir unterwegs. So bleibt uns nur, den Sonnenuntergangshimmel, riesiges Wetterleuchten mit Blitz und Donner in der Entfernung und Mond und Sterne zu bewundern.
Von Ramsgate bis nach Dover sind es nur 17 Seemeilen. Wir segelmotoren mal wieder nach Westen.
Eine gemütliche Reise entlang der Whitcliffs of Dover.
Im Hafen von Dover muss man sich über Funk anmelden und bekommt dann die Erlaubnis einzulaufen. Rote oder grüne Lichter sind zu beachten. Hier ist viel Verkehr, die Fähren von und nach Calais laufen ein und aus.
Dover ist prima. Gute Marina, hier liegt Heimkehr sicher und gut bewacht durch die mächtige Burg.
Der Clock Tower mit hundefreundlichem Café gleich nebenan.
St. Mary‘s Church.
Abkühlung gibt’s mitten in der Stadt. Wir essen ein Sandwich bei Berts altem Marinekollegen.
Schade, The Happy Chef ist geschlossen, da gab’s lecker Frühstück. Happy Chef, happy Skipper. Wir frühstücken an Bord, heute mal ganz gesund mit viel Obst.