In See, 420 Meilen bis Camaret. Seit gestern tragen wir lange Hosen! Mit einer Ausnahme auf den Azoren haben wir seit USA nur Shorts getragen. Plötzlich ist das Wasser nur noch 17°. Da lockt das morgendliche Salzwasserduschen an Deck nicht mehr so. Zum Glück ging es gestern und heute wegen des Seegangs sowieso nicht. Die neue Modefarbe: Hochseegrün! Wie von Dirk schon angekündigt, ist das große Blau nun grün geworden. Wahrscheinlich ist der Ozean seekrank. Der Wind hat stark abgeflaut, der Seegang ist aber noch da. Da der wenige Wind jetzt von achtern kommt, helfen uns die Segel auch nicht gegen die elende Schaukelei. Wir brauchen immer noch alle vier Hände, um uns bewegen. Zwei Schiffe haben wir heute gesehen, einen Frachter und einen Fischdampfer. Da müssen wir jetzt nachts tüchtig aufpassen. Sea u Bert
Author: Bert
Medium well.
Also, das finde ich jetzt nicht mehr so lustig hier. Die Wellen sind für meinen Geschmack zu hoch, das muss doch nicht sein. Werde gleich mal mein Bügeleisen suchen und versuchen sie zu plätten. Wir machen nur das Nötigste, weil man eigentlich vier Hände bräuchte, zwei zum Festhalten und zwei, um etwas zu erledigen. Unser täglicher Ausflug aufs Vorschiff fällt heute wegen Schlechtwetter leider aus. So sitzen wir gemütlich eingekuschelt auf der breiten Ruderhausrückbank, naschen Kekse, trinken Tee, lesen (Bert: Die Tochter des Leuchtturmmeisters, ich: Auf der Route der Albatrosse von Heide Wilts) oder lassen uns was vorlesen, hören “Illuminati” von Dan Brown, ein spannendes Hörbuch. Bloß nicht rausgucken, und wenn, dann nach Lee, da sind die Wellen nicht so hoch. ___/)___ Nachtwache, 02.30 Uhr. Es pfeift ganz ordentlich im Rigg, Böen bis 27 Knoten. Schwarze Nacht, kein Mond, keine Sterne. Das phosphor… (ihr wisst schon, wie man das schreibt) Plankton beleuchtet die Szene und sitzt auf jeder Welle. Die brechenden Schaumkämme leuchten überall auf dem Meer. Sieht toll aus. Wenn’s bloß nicht so schaukeln würde! Wie schon gesagt: All’s medium-well on board – Marlene
Ziemlich ruppig hier.
In See, über Kurzwelle. Bergfest war heute Mittag, so weit so gut. Leider haben wir eine fiese See, so zwischen 3 und 4 m. Leider auch steil und für die Gegend vehältnismäßig kurz. Wegen der erwarteten dicken Böen, alles kutz und klein gerefft. Zwei moderne Rennyachten, die uns entgegenkamen, hatten alles gesetzt. Dafür machen sie aber kein Radarecho, und wir würden nachts große Schwierigkeiten haben, sie zu orten. Das Theater soll noch bis morgen Nachmittag gehen, danach haben sowohl Uwe als auch Wetterwelt was ruhigeres versprochen. Heimkehr macht das toll und gibt uns immer ein sicheres Gefühl. Also Futter aus dem Reiskocher-Alupott, ein Pott, ein Löffel, Reis mit Huhn. Basta. Medium lecker, aber kratzt nicht im Hals. Spaß beiseite, es geht uns gut, die Schaukelei ist nur äußerst unbequem. Langweilig war es heute nicht, schon mit festhalten haben wir genug zu tun. Ach, und einen Dieselfilter haben wir auch noch gewechselt. Jetzt wird’s endlich dunkel, da sehen wir die Gebirgslandschaft nicht so. Sea u Bert
Der Schatz im Silbersee.
… das ist Heimkehr. Mond-Kurzgastspiel vorhin, also gibt es ihn doch noch. Jetzt ist der Himmel schwarz, dicke Wolken, keine Sterne, Vorhang zu. Dafür Millionen Sterne im Wasser. Heimkehr schwimmt auf flüssigem Silber, die Wellen glühen und das Wasser, das an Deck kommt, hinterlässt silbergrüne Glitzerpunkte auf dem Holz. Leuchtendes Plankton überall. Auch im Klo. Faszinierend. ___/)___ Was ist das? Die Nespresso-Kaffeemaschine funktioniert nicht mehr und wir schlafen im Mittelgang. Genau: hoher Seegang. Die Wellen bauen sich auf, 3 m sagt mein Skipper, ich finde, sie sind viel höher. Hilft nix, da müssen wir durch. Segeln ist toll, wenn der blöde Seegang nicht wär. Aber Segelwind ohne Wellen gibt’s wohl hier im Atlantik nicht. Aber bei Brigitte und Uwe, die segeln mit ihrer MOMO im Great Barrier Riff vor Australien (www.momos-meilen.de). Grünes Wasser, Delphine, Ankerplatz vor goldenem Sandstrand. Wow! Ist das, wonach man (und frau) sich sehnt, nicht immer das Schönste? Der Wind hat zugenommen, für die Nacht haben wir 2 Reffs im Groß, Klüver und Besan stehen noch voll. Der Klüver lässt sich schnell wegrollen, falls nötig. So läuft es ganz gut. ___/)___ Muss mir noch eine nette Aufgabe für meinen sich langweilenden Skipper ausdenken. Vielleicht irgendwo ein Kabel lösen (mit den Außenlautsprechern vom Radio hab ich nichts zu tun!) oder am Funkgerät ein paar Knöpfe verstellen. Da hat er dann eine Aufgabe und quengelt nicht. All’s well on board – Marlene
Noch nicht einmal die Hälfte!
In See, über Kurzwelle. Oder positiv ausgedrückt: Hurra, morgen haben wir die Hälfte! Manchmal ist es wirklich stinklangweilig. Heute Abend gab es die Reste von gestern mit zusätzlichem Kohl, war wieder prima, sagt das Maschinenpersonal. Aus dem Restkohl haben wir Coleslaw gemacht. Weil es hier übermorgen etwas ruppig werden soll, haben wir schon fertig. Weitere Höhepunkte des Tages: Ringelnatz Vorlesestunde unter Segeln an Deck und ich durfte beim Ölnachfüllen helfen. Fehlersuche beim Radio, die Außenlautsprecher sagen nichts, kein Erfolg. Sea u Bert
Bonusmeilen?
In See, mittendrin. Bonusmeilen gibt es nicht nur bei Lufthansa. Nein, auch der Ozean hält für seine Schiffe ein Frequent Sailor Programm bereit. Bonusmeilen sind die Meilen, die wir zusätzlich bekommen durch Strömungen. Leider gibt’s auch Malusmeilen, bei Gegenstrom. Heute gibt es eben Bonusmeilen. Was man (und Frau) dafür kaufen kann? Zeit. Wir sind dann einfach früher dort und können in Frankreich schon mal ein Galette essen. Das sind die in der Bretagne beliebten Crepes mit herzhafter Füllung. Auch ohne Bonus hatten wir heute ‘Kohlladen’ zum Abendessen. Das sind Kohl-rou-laden ohne -rou-. Kohl schmoren mit ein paar Möhren, Terriakisoße, etwas Zwiebel, etwas Ingwer und Hack (selbst eingekocht in USA), eine kleine Dose Dosenmilch. Dazu Reis. Schmeckt fein, der Kohl muss also nicht immer aufgerollt werden! Ansonsten ist hier nix los. Immerhin war freundliches Sonnenwetter heute Nachmittag. 5 – 6 Tage noch, vielleicht auch 7. 760 Meilen. Das ist viel. Wettermäßig hoffen wir, dass wir um ein neues Randtief herumkommen, das heftigere Winde in seinen Fronten mitbringt. _____/)____Was so ein Ozeantrip für uns beide mit sich bringt, ist große Nähe. Hinterm Horizont geht’s weiter – wisst Ihr noch? Sea u Bert
Trunkener Schmetterling.
In See, zwischen Wellenbergen und -tälern. Als ich aus der Koje komme, ist ordentlich Seegang. Die Schiffsbewegungen sind ungemütlicher geworden. Zum ersten Frühstück gibt’s erstmal ein Superpep-Kaugummi gegen Seekrankheit. Die Seebeine sind leider noch nicht da. Trotz Nieselregen raus zum Duschen an Deck. Das hilft und macht munter. Das zweite Frühstück in Form von Tee, Brot, Marmelade, Käse, Wurst, Erdnussbutter, Nutella und Honig schmeckt schon viel besser als das erste. Heimkehr benimmt sich wie ein trunkener Schmetterling, torkelt durch die Wellen. Kokett schaukeln würde ich das nicht nennen. Bert hat mir nachmittags das Gedicht ‘Segelschiffe’ von Ringelnatz aufgesagt, “… sie schaukeln kokett in des Schicksals Hand wie trunkene Schmetterlinge …” Die Zeilen passen. Haben an Deck Kakao mit den letzten leckeren Küchlein von Terceira genossen. Sitzen nur da und beobachten die Wellen, die sich unter uns hindurchschieben. Ganz schön große sind dabei, aber Heimkehr hebt ihren Hintern und lässt sie elegant unter sich hindurchrollen. Gut macht sie das. ___/)___ Heutige Schiffsbegegnungen: ein 270 m langer Frachter und STELLA, eine schwedische Segelyacht. Über Funk erfahren wir, dass sie nach La Coruna, Spanien, wollen. Heute endlich mal wieder Sterne und eine ganz dicke Milchstraße. Wo ist eigentlich der Mond? Der könnte sich auch mal zur Nachtwache melden. Da wir uns an den Seegang gewöhnt haben: All’s well on board – Marlene
Alltag an Bord.
In See, Atlantik, noch 906 Meilen bis Camaret/Frankreich. Der Tag gestern war aus meiner Sicht ganz ok. Zwar mehr Wellen, mehr Schaukelei, mehr Wolken, leichter Sprühregen. Trotzdem duschen wir an Deck und machen Rückengym auf dem Vorschiff. Meinem Skipper ist langweilig. Muss mir ein Programm ausdenken, damit er nicht rumnörgelt. Morgen muss er mir einen Fisch fangen, da hat er erstmal zu tun. Einen Segler haben wir getroffen, war trotz der diesigen Sicht gut zu sehen. Bert hat sofort versucht, über Funk mit ihm zu schnacken, leider keine Antwort. Sonst ist hier nichts los, nicht mal Delphine waren heute da. Hatten noch eine ‘Welt am Sonntag’, ich glaube, wir haben jeden Artikel gelesen. Toll, wenn man Zeit hat. Zum Abendessen gab es Frikadellen mit Süßkartoffeln und Pfannensoße. Mmmmh, lecker! Nachtisch: Joghurt von der Käserei aus Terceira. Dazu ein Hörbuch-Thriller ‘Meteor’ von Dan Brown. Spannend. In meiner Freiwache von 21.00 – 01.00 Uhr habe ich wieder nicht geschlafen, bin putzmunter. Habe tagsüber zu viel gepennt, das muss ich ändern. Habe jetzt Wache von 01.00 – 05.00 Uhr und werde bestimmt gleich müde. Irgendwie habe ich meinen Rhythmus noch nicht gefunden. Aber sonst: All’s well on board – Marlene.
Ohn Funk nix los!
In See, Atlantik, über Kurzwelle. Das Wetter ist ok, bedeckt, aber warm mit Schauern. Einzige Abwechslung liefert das Funkgerät. Über die Kurzwelle bekommen wir die Wetterberichte, sogenannte Gibfiles jeden morgen per Mail von Wetterwelt aus Kiel, egal wo wir sind auf der Welt. Auch per Mail kommt das Wetter von Uwe, der in Bayern am PC Wetterinformationen findet und interpretiert. Ein Morgengruß von Freundin Mutz ist morgends als Erstes in der Post. Heute abend um 23.00 UTC hatten wir ein längeres Gespräch mit J&B, unseren holländischen Freunden, die vor drei Wochen diesen Kurs gesegelt sind. Damals hatten wir einen Hafen mit Internet und konnten ihnen Wetterinfos geben. Das Gespräch war on bester Qualität, wir hier ganz weit links von Spanien im Atlantik und er in einer Marina in Amsterdam. Genauso hatten wir kürzlich ein Funkgespräch mit Paulinchen, wir auf den Azoren und er, der Hinnerk kurz vor dem Eriesee. Cool, oder? Ja und schließlich füttern wir auch dieses Logbuch mit der Kurzwelle, wegen der Kurzweile. Ach übrigens, unser Etmal war 134 Meilen. Sea u Bert
Eilige Delphine.
In See, Atlantik, irgendwo im blauen Meer. Zweimal hatten wir Delphin-Kurzbesuch. Unsere Kurse kreuzten sich, sie sind dann schnell mal abgebogen und haben kurz mit der Bugwelle gespielt. Aber dann war irgendetwas wichtiger und weg waren sie. Wahrscheinlich mussten sie zum Abendessen zu Hause sein. ___/)___ Die erste Freiwache habe ich ‘vergeigt’. Konnte nicht schlafen und jetzt sitze ich hier im Ruderhaus vor den Instrumenten und hab Mühe, mich wachzuhalten. Das Radarbild ist leer, kein anderes Schiff im Umkreis von 48 Seemeilen in Sicht. Auf dem Kartenplotter ist außer unserem Standort in Form eines kleinen Schiffchens, der Kurslinie und Tiefenangaben (2973 Meter) auch nix los. An Deck ist nichts zu tun, die Vorsegel sind eingerollt, Großsegel und Besan sind dichtgesetzt, kein Wind. Wir motorsegeln durch die schwarze Nacht. ___/)___ Also, zum Tauchlehrer in Camaret kann ich nur sagen, dass der damals bestimmt schon 60 war. Da gab’s zwar auch jüngere, aber an die erinnere ich mich nicht mehr. Aber toll wär’s schon, wenn wir Camaret anlaufen können. Mal auf den Pfaden der Jugend wandeln … ist über 30 Jahre her. ___/)___ All’s well on board – Marlene.