In Glückstadt stand er plötzlich vor der Heimkehr. Er hatte auf der Website unsere Pläne gesehen und hat ähnliche. Nur: Er segelt allein! Wir hatten viele Male Kontakt per E-Mail und haben uns hier erstmals getroffen. Er hat uns zum Kaffeetrinken mit der Fähre besucht. Dirk liegt mit seiner Segelyacht ‘M’ auf Teneriffa, weil er als Single-Hander nicht die ARC mitsegeln darf. Aber wir werden unsere Positionen auf dem Weg in die Karibik austauschen und uns sicher ‘drüben’ wiedersehen. Ein dufter Typ, blitzgescheit und hellwach. Seine Website ist sehr empfehlenswert: www.meinesee.com
Der Countdown läuft. Noch 11 Tage.
Schwer was los hier in Las Palmas. Jeder hat was am Schiff zu tun. Größere und kleinere Sachen. Wir sind da eigentlich noch ganz gut dran. Bei den meisten ist’s irgendwie elektrisch. Nebenan läuft der Generator nicht, gegenüber kämpft Momo einen unverdrossenen Kampf mit dem Lichtmaschinenregler. Immer wieder sind auch Lieferanten unpräzise und schicken falsche Teile. Bei uns war heute die Sicherheitsinspektion, absolute Voraussetzung für die Teilnahme an der ARC-Regatta. Eineinhalb Stunden hat sich ein Ingenieur mit unserer Schiffssicherheit beschäftigt. Eine unglaublich lange Liste mit vielen sinnvollen Punkten. Zwei Eimer müssen an Bord sein, klingt komisch, ist aber gut. Bei Leck und Feuer eine wirksame Waffe – auch wenn das elektrische Klo ausfällt. Vorzeigen. Die Notruderanlage nicht nur zeigen, sondern auch vorführen. Ein kleiner Treibanker für die Rettungsboje, damit sie nicht zu schnell vertreibt. Hatten wir bisher nicht. Eine Notantenne für UKW, falls der Mast mal umfällt. Fazit: wir fanden’s gut.____/)____Sea u Bert
Proviant.
Die Geschäfte rundherum stellen sich auf die Versorgung von 225 auslaufenden Yachten ein. Ich beginne morgen mit dem Einkochen.
Julia kommt!
Was macht Ihr da eigentlich?
Serie über den Alltag an Bord. Heute: Nachbarschaftshilfe. Bei Momo mußte heute ein Gewinde in die Lichtmaschine geschnitten werden. Solche Werkzeuge gibt’s auf Heimkehr.
Meuterei!
Kaum ist man mal ein paar Tage nicht da, gibt’s Meuterei. Da gibt’s nichts zu beschönigen. Kritik an der Schiffsführung ist natürlich unzulässig. Was ist geschehen: Ich bring aus Hamburg das Nötigste zum Überleben mit und sie sagt, ich sei verrückt. Mal gerade 5 Dosen Bratheringe und 10 Dosen Hering in Tomatensoße von Appel. Soooo lecker zum Frühstück. Was gibt’s denn da zu meckern?? Sea u Bert, keiner versteht mich!____/)____
Auf dem Markt entdeckt.
Es wird voll.
Der Tag einer alleingelassenen Bordfrau.
Las Palmas, Gran Canaria.
Die ARC (Atlantic Rally for Cruisers)-Familie formiert sich. Jeden Tag laufen weitere Teilnehmer der Regatta über den Atlantik ein. An fast jedem Rigg weht die ARC-Flagge. Schon auf dem Weg hierher haben wir uns über jede Yacht gefreut, die die Flagge gesetzt hat, hat doch die Crew das gleiche Ziel wie wir.
Heute Morgen gab es wieder viel zu tun: erstmal turnen (damit der Rücken nicht schlappmacht), duschen an Deck, das übliche ‘Schiffe anbinden’, MOMO auf Kanal 17: habt ihr die Nautischen Tafeln für die Astro-Navigation an Bord? Jörg auch auf 17: bitte mal Kurzwelle und Airmail starten für einen Test, bitte auf die 16.000er Frequenz – aha. Hier piepts, knistert und funkt. Gleichzeitig laufen zwei PCs, damit endlich Outlook auf allen Computern (haben mittlerweile 4 – in Worten: VIER an Bord) synchronisiert wird. Dank Internet bin ich in direkter Verbindung mit unserem PC-Fachmann CCV in Cadenberge. Cool. Dann klingelt auch noch das Telefon: Bert will wissen, wie es so läuft. Der ist lustig. Mein Frühstück muffel ich so nebenbei, mein heißgeliebter Latte Macchiato ist kalt. Der ganz normale Wahnsinn – wie früher im Büro. Nur hier ist es warm, kurze Hosen habe ich im Office nicht getragen 🙂
Dann radeln Brigitte von der MOMO und ich zur Ferreteria (eigentliche Eisenwarenhändler), aber die haben alles. Schaumstoff z.B., damit die Nachtwachen in MOMO’s Cockpit gemütlicher werden. Im Supermarkt ‘Hiper-Dino’ gibt’s dann noch die nötigen Zutaten für’s Abendessen, und so machen wir uns mit einer Rolle Schaumstoff (2 m x 1 m und 5 mm dick) auf dem Gepäckträger, Rucksack und diversen Tüten mit unseren Mini-Klapprädern auf den Rückweg durch das Verkehrschaos einer fahrradfahrerfeindlichen Großstadt. Brigitte bahnt den Weg (oder vielmehr die große Schaumstoffrolle mit Brigitte).
Weitere Aktivitäten: Kaffee-Päuschen in der Hängematte, dann zur Kosmetikerin. Nein, nein, nicht ich, unsere Dicke musste mal wieder zur Schönheitskur. Kleine Roststellen werden möglichst sofort behandelt, damit es nicht ein dicker Pickel wird.
Musste heute selber kochen, mein Skipper vergnügt sich ja in Hamburg und isst Grünkohl mit Zubehör bei Anja und Lars. Unvorstellbar, Grünkohl! Bei mir gab’s Spaghetti Bolognese, dazu ein Gläschen Weißwein ‘Cote de Carton’. Oder zwei.
_____/)___/)______Marlene (immer noch allein zu Haus)
Marlene – allein zu Haus.
Las Palmas, Gran Canaria. Heute Morgen ist Bert nach Hamburg geflogen, um sein Zähnchen wieder heile zu machen. Damit er wieder kraftvoll zubeißen kann. Aber nicht nur das: er hat eine lange shopping-list mit, denn jeder Segler hier kann noch etwas von zu Hause gebrauchen. Kohlebürsten für MOMO, Temperaturmessgerät und Regler für LOJAN. Und was kriegt HEIMKEHR? Wahrscheinlich Zimt-Sterne. Und einen neuen Filter für die Grauwassertank-Entlüftung, damit’s im Schiff nicht müffelt. Langweilig wird’s hier nicht. Die Mädchencrew aus England, die heute unter Segeln in den Hafen einlief (Maschine kaputt), hat ein tolles Manöver hingelegt. Das gefiel dem Dockmaster gar nicht, weil sie sich nicht am Rezeptionssteg vorgestellt hatten und auch noch längsseits und nicht Heck zur Pier festgemacht hatten (der hat Probleme!). Aber alle anderen Jungs und Mädchen auf dem Steg waren voller Anerkennung und viele Hände haben die Leinen belegt. Da war die Vorstellung der Jungscrew aus USA doch um Noten schlechter. Die sehen nur gut aus, aber ohne Schlauchboot-Bugsierhilfe hätten die es nie geschafft, das Heck zum Steg zu manövrieren, mit Motor. Aber wir haben trotzdem mit den Leinen geholfen. Und zu ihrer Ehrenrettung muss ich zugeben, dass sie den Wind gegen sich hatten. Ansonsten habe ich hier alle Hände voll zu tun: im Schiff aufräumen, Wäsche waschen, Schiffe ‘anbinden’, mit Brigitte zum Markt radeln, Kaffee trinken, auf der Mole bis zur Hafeneinfahrt spazieren, Computer-Arbeit, mit Beiboot im Hafen rumfahren und hier und da ein Schwätzchen halten, Salat in der Hängematte essen. Und das alles ohne Aufsicht, mein Skipper ist ja in Urlaub! Und ich weiß jetzt gar nicht, wer es besser hat!?
All’s well on bord! Marlene