Wieder auf See.
In See, Atlantik etwa querab Südgrenze von North Carolina. Eigenartig, wie sehr wir uns gefreut haben wieder auszulaufen. Wir lieben die Zeit auf See, mit ihrer gegebenen Ordnung sehr. Alles hat seinen Platz, wir wissen was wir zu tun haben, und natürlich haben Tag und Nacht eine Struktur. Wind, Wetter und Wachplan geben alles vor. Das Wetter ist gut. Wir sind heute morgen um sechs ankerauf gegangen und wollen morgen vormittag in Beaufort, N.C. sein. Heute Mittag haben wir einen Badestop eingelegt, der Wind war völlig eingeschlafen und wir haben das Ozeanwasser genossen. Es ist volle 30 Grad warm. Das ist zu viel für die Jahreszeit sagen die Hurricaneexperten. Während des Badevergnügens haben wir den Schiffsboden etwa zu zwei dritteln von Bewuchs befreit, jeder etwa 15 mal getaucht. Wenns morgen wieder eine ruhige Stunde gibt folgt der Rest. Der Muschelbewuchs bremst sehr, in unserem Fall etwa einen Knoten. Heute abend gab es Schweinegulasch mit Tymian – Süßkartoffen. Die Schweinedose hat noch eine Hand voll Cranberries dazubekommen. Leni fand’s lecker. Ich auch. Sea u Bert_____/)____
Worauf die Welt gewartet hat!
Georgetown,USA. Endlich gibt es ihn, den Plastikbeutel für den nassen Regenschirm, damit im Haus nicht immer alles so nass wird. Wie macht Ihr das eigentlich in Deutschland? Sea u Bert
Reiher Meier.
Der hat seine Arbeit gründlich rationalisiert. Statt im Wasser herumzustehen wie seine Kollegen, steht dieser in der Tür der Fischereigenossenschaft und bekommt dort seinen Anteil.
Hafenkatze auf Driftwood.
Georgetown.
Georgetown, South Carolina, USA. Niedliche kleine Stadt. Viele schöne alte Häuser und sehr nette Leute. Die drittälteste in S.C. Zum ersten Mal erwähnt wurde Georgetown 1526. Das hatte mit den Spaniern zu tun, die hier einen Außenposten errichteten. 1800 bestand die Bevölkerung des County noch zu 85 % aus Sklaven, die im Reis- und Indigoanbau gearbeitet haben. Georgetown ist ein Ort, der nach Krabben riecht. Zahlreiche Kutter liegen am Harborwalk. Da passt unsere Dicke gut dazwischen. Shrimps werden hier gefischt, die dickste Sorte kostet 8 $ das Pfund. Ich hab sie längs aufgeschnitten und dann in Ei und süßen Kokosflocken paniert. Dann in Olivenöl frittiert. Gefällt uns gut hier, leider ist die Marina mit über 100 $ pro Nacht teuer. Deshalb laufen wir morgen wieder aus, weil wir ja ein Kind bekommen. Julia besucht uns in der Chesapeake Bay, deswegen und wegen der nahenden Hurricanesaison wollen wir weiter nach Norden. Die Chesapeake Bay gilt als das obere Ende der Hurricane Zone. Julia fliegt nach Baltimore, und wir wollen, wenn sie am 5. Juli kommt, in Annapolis sein. Ein weiteres Traumziel, ist doch Annapolis das US Segelmekka wie Cowes in England und Marstrand in Schweden. Leni und ich waren schon ein paar mal dort. Auch so eine Kleinstadt mit alten Häusern. Morgen in die Mündung des Winyah Flusses, dort vor Anker und übermorgen sehr früh weiter Richtung Beaufort. Etwa 150 Seemeilen. Wir freuen uns auf den blauen Atlantik. _____/)_____ Sea u Bert
ICW – die Tierwelt.
Georgetown, South Carolina, USA. Na klar, an erster Stelle die Flipper. Sie sind überall und kommen, wie schon berichtet, bis auf zwei Meter ans Boot. Pelikane sind schwere Transportflugzeuge mit Kunstflugeigenschaften. Elegant schweben sie nur wenige Zentimeter über dem Wasser oder stürzen aus 15 m Höhe mit angelegten Flügeln senkrecht ins Wasser. Wir mögen sie zu gern. Vielleicht noch aus der Zeit von Petzi, Pelle und Pingo. Reiher in dezentem Grau stehen herum und es gibt auch Kollegen mit weißer Weste. Skimmer sind Seevögel, so eine Mischung aus Seeschwalbe und Austernfischer, fliegen im Tiefflug über das Wasser und haben dabei den unteren Teil des Schnabels im Wasser. So sammeln sie blitzschnell kleines Futtergetier. Das Wappentier, der große Seeadler, guckt grimmig in die Gegend. Alligatoren. An die hab ich besonders intensiv gedacht, als ich gestern die Propeller abgekratzt habe. Aber wenn die uns mögen würden, stände dieses Gewässer sicher voller Verbotsschilder. Pferdebremsen (Horse Fies), Mistviecher in Mengen, docken unbemerkt an und beißen sofort. Wir jagen die mit unseren elektrischen Tennisschlägern. Die Erfindung überhaupt. _____/)_____ Ses U Bert
Sonne.
ICW – The Ditch.
Die Einheimischen nennen den ICW ‘the ditch’, den Graben. Er ist bezeichnet mit sogenannten Markern. Pfähle, die das Fahrwasser markieren. Auf vielen sind Vogelnester. Auch hier anders als im Rest der Welt: Die grünen Steuerbordzeichen sind stumpf, die roten Backbordzeichen sind spitz. Anders als bei uns. Während bei uns einlaufend die grünen Seezeichen an Steuerbord bleiben (grün an grün), sind hier einlaufend die roten Zeichen an Steuerbord (red right return). Hier in USA gilt das Betonnungssystem B, bei uns zuhause A. Echt verwirrend. Die hiesigen Seekarten sind blöd. Völlig überladen mit unwichtigen Angaben und nicht nach Norden ausgerichtet. Im gleichen Kartensatz sind die Tiefenangaben mal in Faden (fathoms), mal in Fuß (feet) angegeben. 1 Faden = 6 Fuß = 1,83 Meter. Die Navigation mit Plotter und den elektronischen C-Map-Karten funktioniert gut. ___/)___ Die Ufer im ICW-Labyrinth bestehen oft ganz und gar aus Austernschalen. Austern waren das Hauptnahrungsmittel der Indianer, bis hinauf in die Chesapeake Bay. Ansonsten ähnelt die Landschaft unseren Wattengebieten an der Nordsee, nur etwas grüner. Sea u Marlene und Bert
Im Intracoastal Waterway.
Endlich wieder unterwegs. Wir biegen vom Cooper River links ab in den Intracoastal Waterway. Da wir uns ausgiebig von Gabi, Lutz und Steve verabschiedet haben, verpassen wir die erste Brückenöffnung und müssen 2 Stunden warten. Macht nix, wir ankern und Bert taucht im recht trüben Wasser und putzt die Propeller sauber. Endlich geht’s weiter, aber nach ein paar Meilen passierts: wir kommen fest, sitzen im Schlick und warten auf Hochwasser. Alles wie zu Hause auf der Oste. Da ist es auch mal zu flach. Aber wie heißt das alte Sprichwort: geduldiger Schipper hat auch bald wieder Wasser. Delphine kommen bis 2 m längsseits. ___/)___ Der Intracoastal Waterway (ICW) ist ein Wasserstraßensystem entlang der amerikanischen Ostküste hinter den vorgelagerten Sandbänken, teilweise durch Seen führend oder kanalisiert. Er verläuft von Florida bis Virginia und ist ca. 620 Meilen lang. Leider aber sehr flach. Seit dem die deutschen U-Boote im letzten Krieg zu viele Frachter an der Küste versenkt hatten, wurde der ICW ein nationaler Verteidigungsweg und wird daher von der US-Army ausgebaggert. Da die aber zur Zeit kein Geld haben, wird wenig gebaggert. ____/)____ Kaptein und First Mate