Heilig Abend in Oberndorf. Die CD’s mit den Weihnachtsliedern sind noch an Bord – in unserem Zuhause für zweieinhalb Jahre. Das schmälert die Weihnachtsstimmung ein wenig. Vor zwei Jahren waren wir in St. Lucia, Karibik. In der Karibik war es wunderschön, aber Weihnachten können die dort nicht. Die rotblinkenden Palmen haben uns den Tanne(n)baum nicht ersetzt. Auch nicht der IKEA-Adventskranz, täuschend echt aus Kunstoff. Eine Kirche war für uns nicht erreichbar. Um Heimweh und andere schwere Stimmungen zu vermeiden, haben wir Weihnachten dann ausfallen lassen. Es fand einfach nicht statt. Kein besonderes Essen, keine Geschenke, nichts. So ging es ganz gut. Im nächsten Jahr, das haben wir uns versprochen, fliegen wir über Weihnachten nach Hause, nach Oberndorf und wir werden einen anständigen Tannenbaum haben und bestimmt liegt Schnee auf dem Deich. ___/)___ So haben wir es gemacht. Doch es kam etwas anders. Eine Routineuntersuchung bescherte ein besorgniserregendes Ergebnis und wir mussten nach Nürnberg fahren ins Krankenhaus. Komplikationen verlängerten den Aufenthalt über Weihnachten hinaus. Wir waren in Deutschland, es lag Schnee, aber wir waren nicht zu Hause. Wir ließen Weihnachten ausfallen, zum zweiten Mal. Einzig: Wir waren zusammen, Leni war die ganze Zeit bei mir im Krankenhaus. ___/)___ Dieses Mal sind wir in Oberndorf. Der Tannenbaum hängt (ja, bei uns hängt der,) Leni schmückt ihn mit Muscheln aus den Ozeanen der Welt, der Kamin brennt. Die Kirche am Fluss ist dicht bei. Ich habe die traditionelle Apfelsuppe auf dem Herd und der Heilbutt für heute Abend liegt im Kühlschrank. Ja, wir wollen Weihnachten traditionell, meinetwegen auch altmodisch feiern. Wir werden in die Kirche gehen und sind dankbar, dass wir beide gesund um den Atlantik segeln konnten. Dankbar sind wir auch für den rührenden Empfang, den uns die Oberndorfer nach unserer Reise bereitet haben. Heimat, das sind insbesondere die Menschen. ___/)___ Wir denken heute besonders an unsere Freunde draußen in der Welt, die noch nicht wieder zu Hause sind. An zwei, die ihre Heimat noch nicht gefunden haben, sie in der Welt suchen und sich doch nach ihr sehnen. Besonders auch an Brigitte und Uwe von ‘Momo’, die statt in Kapstadt heute lieber zu Hause im Finkenweg wären. Sie haben noch einige Monate zu segeln, bis sie wieder in Europa sind. _______/)___ Gesegnete Weihnacht und allen eine glückliche Heimkehr. Marlene und Bert